Interview mit On: Wenn Schweizer Präzision auf koreanische Geschwindigkeit trifft
Mit Lancierung der Projektausschreibungen Schweiz-Südkorea stärkt Innosuisse die bilaterale Innovationszusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Die Ausschreibung ermutigt Schweizer und koreanische Partner, gemeinsam innovative Gesuche und marktreife Lösungen zu entwickeln. Um zu veranschaulichen, wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit in der Praxis aussehen kann, haben wir mit Dr. Pablo Erat von On gesprochen. Das Unternehmen hat in Südkorea ein starkes Ökosystem der Partnerschaft aufgebaut, um seine LightSpray-Technologie international zu skalieren. Auf Grundlage seiner Erfahrungen gibt Dr. Erat Einblicke in die Zusammenarbeit mit koreanischen Partnern und zeigt die Schlüsselfaktoren für erfolgreiche Innovationsprojekte zwischen der Schweiz und Südkorea auf.

Dieses Interview wurde auf Englisch geführt
Welche Faktoren waren ausschlaggebend für die Wahl Südkoreas als Produktionsstandort für ON LightSpray?
Dr. Pablo Erat, Direktor von LightSpray bei On: Nach der erfolgreichen Eröffnung unserer LightSpray-Fabrik in Zürich war die Expansion nach Südkorea ein logischer nächster Schritt, um die Technologie weltweit zu skalieren. Dadurch wird sich unsere LightSpray-Produktionskapazität 2026 um das 30-Fache erhöhen und eine neue Ebene der Produktdiversifizierung möglich.
Südkorea zeichnet sich durch die Kombination von Fertigungskapazitäten auf Weltklasseniveau, aussergewöhnlichen technischen Fähigkeiten und einer tief verwurzelten Kultur der Präzision und Qualität aus. Was jedoch wirklich einen Unterschied machte, war die Mentalität unserer Partner – ihre echte Offenheit, um uns gemeinsam weiterzuentwickeln und die technologischen Grenzen zu erweitern. Wir haben uns nicht wegen der Kosten für Südkorea entschieden, sondern wegen der Fähigkeiten, der Denkweise und des Ehrgeizes, die Zukunft der Fertigung gemeinsam zu gestalten.
Mit LightSpray skalieren wir nicht nur die Produktion: Wir sind dabei, ein grundlegend neues Fertigungsparadigma zu schaffen. Südkorea bietet dafür das Ökosystem, die Infrastruktur und den Ehrgeiz.
Welche Erfahrungen haben Sie bei der Zusammenarbeit mit koreanischen Partnern gemacht?
Unsere Erfahrungen waren sehr positiv. Wir schätzen besonders die Kombination aus Schnelligkeit, Engagement und einem ausgeprägten Sinn für Eigenverantwortung. Die koreanischen Partner bringen einen bemerkenswerten Antrieb mit, nicht nur bei der Ausführung, sondern auch, wenn es darum geht, sich kontinuierlich zu verbessern und gemeinsam neue Fähigkeiten zu entwickeln.
Was mich am meisten beeindruckt hat, ist nicht nur, wie schnell sich die Dinge in Südkorea entwickeln, sondern auch, wie viel Eigenverantwortung die Menschen übernehmen und wie stolz sie auf gute Arbeit sind. Es besteht ein starkes Engagement für die Bereitstellung hochwertiger technologischer Lösungen, was eine solide Grundlage für die Zusammenarbeit schafft.
Wo sehen Sie die interessantesten Möglichkeiten für Schweizer Unternehmen in Südkorea?
Südkorea bietet besonders gute Chancen in Sektoren, in denen Schweizer Unternehmen traditionell führend sind, wie z.B. Präzisionsmechanik, fortschrittliche Fertigung, Robotik, Medizintechnik und hochwertige Konsumgüter.
Es handelt sich um einen hochdynamischen, technologiegetriebenen Markt, der Innovationen fördert und sich schnell weiterentwickelt, was ihn zu einem idealen Umfeld für die Erprobung, Validierung und Skalierung neuer Ideen macht. In vielerlei Hinsicht ist Südkorea nicht nur ein Markt, sondern ein Sprungbrett für globale Innovation.
Gleichzeitig sind koreanische Unternehmen starke globale Akteure, was bedeutet, dass erfolgreiche Partnerschaften oft weit über den lokalen Markt hinausgehen und eine breitere internationale Expansion erleichtern können.
Wie wichtig sind Förderprogramme für den Markteintritt, wie wir sie bei Innosuisse anbieten, für Schweizer Unternehmen, die einen ausländischen Markt erobern wollen?
Meiner Erfahrung nach können diese Programme am Anfang sehr hilfreich sein, vor allem wenn es darum geht, sich mit Vorschriften zurechtzufinden, Partner zu finden und erste Netzwerke aufzubauen. Sie können die Eintrittsbarriere erheblich senken.
Gleichzeitig sind sie aber auch nur ein Ausgangspunkt. Programme können die Tür öffnen, aber langfristiger Erfolg beruht auf Vertrauen, Umsetzung und echten Partnerschaften.
In der Praxis kommt es vor allem darauf an, starke lokale Beziehungen aufzubauen, Ressourcen vor Ort zuzuweisen und bereit zu sein, sich schnell anzupassen. Der tägliche Erfolg hängt weit mehr von der Umsetzung und der Qualität der Partnerschaft ab als von formalen Förderstrukturen.
Welche Empfehlungen geben Sie für die Zusammenarbeit mit südkoreanischen Partnern, insbesondere im Hinblick auf kulturelle Unterschiede?
Wir schätzen das Engagement und die Partnerschaft, die wir in Südkorea erfahren haben, sehr. Die südkoreanische Geschäftskultur ist tief verwurzelt in Respekt, und abweichende Meinungen werden häufig nuancierter zum Ausdruck gebracht als im Westen. Dies erfordert von uns als Partner, dass wir genau zuhören, zwischen den Zeilen lesen und ein Umfeld schaffen, in dem sich ein offener Austausch entwickeln und mit der Zeit Vertrauen aufgebaut werden kann.
Frühzeitige Investitionen in vertrauensvolle Beziehungen, eine klare Ausrichtung und eine transparente Kommunikation, unterstützt durch ein gemeinsames Betriebsmodell, sind entscheidend, um Fortschritte zu beschleunigen und Missverständnisse zu vermeiden. Technologie ermöglicht das Produkt, aber Vertrauen und Verständnis ermöglichen die Partnerschaft.
Welchen Rat würden Sie Schweizer Unternehmen geben, die in den südkoreanischen Markt eintreten wollen?
Erstens: Wählen Sie Ihren Partner sorgfältig aus – die Qualität dieser Beziehung wird über Ihren Erfolg entscheiden. Zweitens: Investieren Sie in Vertrauen und langfristiges Engagement; das Geschäft in Südkorea basiert auf Beziehungen. Drittens: Sorgen Sie vom ersten Tag an für Klarheit und Abstimmung, insbesondere bei komplexen oder innovativen Projekten.
Ebenso wichtig ist es, vor Ort präsent zu sein, denn Nähe sorgt für Schnelligkeit, Abstimmung und bessere Ergebnisse. Schliesslich sollten Sie sich dem Markt mit Bescheidenheit und Lernbereitschaft nähern. Südkorea ist ein hochentwickeltes, schnelllebiges und wettbewerbsfähiges Umfeld.
Hier hat man Erfolg, wenn man Schweizer Präzision mit koreanischer Geschwindigkeit kombiniert und gemeinsam etwas aufbaut.
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