Innosuisse hat durch die Taftie Präsidentschaft international deutlich an Statur gewonnen
Taftie ist das europäische Netzwerk der führenden nationalen Innovationsagenturen. Im Jahr 2024 hat Innosuisse für ein Jahr den Vorsitz des Netzwerks übernommen. Annalise Eggimann, Chair von Taftie und ehemalige Direktorin von Innosuisse, zieht im Interview Bilanz.

Frau Eggimann, die Taftie-Präsidentschaft von Innosuisse neigt sich dem Ende zu. Welche Bilanz ziehen Sie als Chair von Taftie aus diesem Jahr?
Ich blicke mit Freude und Stolz auf unsere Taftie-Präsidentschaft zurück. Ich hatte bei Innosuisse ein phantastisches Team zur Seite und gemeinsam konnten wir unseren Kolleginnen und Kollegen von Taftie ein gehaltvolles und interessantes Programm bieten, ihnen das schweizerische Innovationsökosystem und dessen Stärken näherbringen, aber auch die kulturelle Vielfalt und die landschaftliche Schönheit der Schweiz ins beste Licht rücken.
Warum hat Innosuisse die Präsidentschaft übernommen?
Taftie wurde in den 90er Jahren gegründet und zählt mittlerweile 37 Mitgliedorganisationen. Mit ihrer schlanken Organisation mit nur einer einzigen Teilzeitangestellten hängt das gute Funktionieren und das Schaffen von Mehrwert für alle stark vom Engagement der einzelnen Mitgliedorganisationen ab. Jedes Jahr übernimmt eine andere Mitgliedorganisation die Präsidentschaft. Innosuisse hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich aktiver in die Arbeit von Taftie eingebracht. Da war die Übernahme der Präsidentschaft der nächste logische Schritt, zumal damit auch die Verantwortung für die Themensetzung im Präsidentschaftsjahr verbunden ist – eine Chance, die wir packen wollten.
Welche Schwerpunkte hat Innosuisse während Ihrer Präsidentschaft gelegt?
Wir haben die Innosuisse Präsidentschaft 2024 unter das Motto «Expanding the Horizon» gestellt. Den Horizont erweitern wollten wir einerseits über die Formate: Wir haben inspirierenden Sprecherinnen und Sprechern zu relevanten Themen eingeladen und boten im Rahmen von Tisch- und Paneldiskussionen allen die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme. Auch die internationalen, d.h. aussereuropäischen Partnerorganisationen wurden stärker eingebunden. Anderseits wollten wir aber auch mit der Themensetzung über den gewohnten Horizont hinausblicken. Wir griffen Themen auf, die teils ein etwas stiefmütterliches Dasein im Förderalltag der Innovationsagenturen fristen oder überhaupt erst darauf warten, entdeckt und zugunsten neuer Initiativen bearbeitet zu werden. Ich denke dabei insbesondere an das Veranstaltungsthema «Social impact» im Juni in Bern oder an das Thema «International cooperation for development» im September in Genf. Von besonderer Bedeutung war natürlich auch die im April in Lugano diskutierte Frage, wie wir der Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen in unserer Förderung und in der Innovationstätigkeit insgesamt noch besser zum Durchbruch verhelfen können. Das letzte Treffen im November in Brüssel schliesslich war der sehr aktuellen und essentiellen Frage gewidmet, wie wir in Europa ein weltweit führendes Innovationsökosystem aufbauen und den immer stärker wahrnehmbaren Rückstand gegenüber den grossen Machtblöcken USA und China verringern können. Dabei wurde deutlich, dass nur eine gezielte Bündelung der Kräfte, ein Abbau unnötiger Regulatorien und bürokratischer Hindernisse sowie eine deutliche Steigerung der Investitionen in Forschung und Innovation erfolgversprechend Abhilfe schaffen können.
Was hat die Taftie-Präsidentschaft Innosuisse und der Schweiz gebracht?
Innosuisse hat durch die Taftie Präsidentschaft 2024 international deutlich an Statur gewonnen, ihre Präsenz international gestärkt und die Innovationskraft der Schweiz ins beste Licht rücken können. Die in gut schweizerischer Tradition sehr solide und einwandfreie Organisation und die dabei gezeigte Kompetenz und Dienstleistungsorientierung des gesamten Teams haben bei den Teilnehmenden hohe Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Zudem haben die verschiedenen Veranstaltungen neue, für die eigene Fördertätigkeit nützliche Einblicke ermöglicht. Die Präsidentschaft hat uns gefestigte Beziehungen zu unseren Partnerorganisationen und ein gesteigertes internationales Renommée beschert. Ich bin zuversichtlich, dass dies Innosuisse in den kommenden Jahren auf internationalem Parkett weitere Türen öffnet sowie die Vernetzung und Zusammenarbeit stärkt.
Was war Ihr persönliches Highlight der Präsidentschaft 2024?
Jede Veranstaltung hatte ihre besonderen Momente. Für mich besonders inspirierend waren jeweils die Auftritte der verschiedenen Schweizer Startups, die aus erster Hand darüber berichtet haben, welche Art der Förderung ihnen auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen, wissenschaftsbasierten Unternehmen am meisten dient und wo aus ihrer Sicht Defizite bestehen. Wie für viele andere Teilnehmende für mich ganz besonders bewegend war aber der Besuch im IKRK-Museum in Genf, der uns deutlich vor Augen geführt hat, wie dünn die Linie zwischen menschengemachtem unermesslichem Leid und kompromisslos gelebtem humanitärem Einsatz ist.