Schweizer Vorsitz von Eureka: Halbzeitbilanz, Highlights und der Blick in die Zukunft
Die Schweiz präsidiert seit Juli 2025 für ein Jahr das Innovationsnetzwerk Eureka und stärkt unter dem Motto «Innovating beyond borders» die internationale Zusammenarbeit von KMU, Start-ups und Forschenden. Nach sieben Monaten zieht der Vorsitzende Marc Pauchard eine erste Bilanz, zeigt erreichte Meilensteine auf und gibt einen Ausblick auf die Highlights des zweiten Teils der Amtszeit.

Innosuisse hat im Auftrag des Bundesrats am 1. Juli 2025 für die Dauer von einem Jahr den Vorsitz des internationalen Netzwerks Eureka für die Schweiz übernommen. Diese zwischenstaatliche Initiative mit 47 Mitgliedern fördert die grenzüberschreitende Innovationszusammenarbeit und verfolgt das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit von Firmen – hauptsächlich KMU – in den Mitgliedsländern durch Innovationsprojekte zu stärken. Zudem sollen der Wissenstransfer aus der Forschung gefördert und neue internationale Wertschöpfungsketten geschaffen werden. Für das Vorsitzjahr hat sich die Schweiz strategische Prioritäten gesetzt, um die internationale Innovationszusammenarbeit und die Organisation Eureka weiterzubringen.
Seit der Übernahme des Vorsitzes ist ein halbes Jahr vergangen, somit ist bereits Halbzeit. Welche Erfolge wurden bisher erzielt?
Marc Pauchard: Im November durften wir 121 Vertreterinnen und Vertreter aus 38 Ländern in Zürich zum ersten Netzwerkmeeting begrüssen. Unter den Teilnehmenden befanden sich auch Mitglieder aus Ländern ausserhalb Europas, darunter Brasilien, Chile, Südkorea, Kanada, Singapur und Südafrika. Während des Netzwerkmeetings wurde die Verlängerung des Assoziierungsabkommens Chiles mit Eureka unterzeichnet – das unterstreicht die Strahlkraft von Eureka über die europäischen Grenzen hinweg.
In Workshops und Diskussionen wurde mit Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedsstaaten – zu welchen auch die Europäische Kommission gehört – an wichtigen Zukunftsthemen gearbeitet. Im Fokus standen die künftige Rolle von Eureka im europäischen Innovationsökosystem, die bessere Vernetzung von Firmen und Forschenden verschiedener Länder und Diskussionen um die anstehenden Herausforderungen für das Netzwerk.
Mit welchen Herausforderungen sieht sich Eureka derzeit konfrontiert?
Wichtige Themen, die viele Mitgliedsstaaten betreffen, sind die Wettbewerbsfähigkeit von KMU, Wachstumschancen für Scale-ups, der Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und die Stärkung der technologischen Souveränität. Letztere zielt darauf ab, die Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft in einem Umfeld globaler Abhängigkeiten durch eigene Innovationen zu erhöhen.
Machen wir einen Zeitsprung: Eureka wurde 1985 gegründet und feierte im November 40-jähriges Bestehen. Was bedeutet dieses Jubiläum für das Netzwerk?
Als Eureka ins Leben gerufen wurde, war das Ende des Kalten Krieges noch nicht abzusehen, und die europäischen Länder investierten gemeinsam in den Ausbau ihrer technologischen Souveränität. Vierzig Jahre später erleben wir wieder eine Fragmentierung der Weltpolitik und -wirtschaft. Wir stehen vor weitreichenden ökologischen und technologischen Veränderungen und einer Vielzahl sich überschneidender Krisen. Eureka und seine Mission sind also nach wie vor sehr relevant. Das Jubiläum erlaubt es uns, auf die beeindruckenden Erfolge von Eureka zurückzuschauen. Beispielsweise wissen wir, dass das Netzwerk zu Innovationsmeilensteinen wie der Entwicklung des MP3-Formats beigetragen hat. Wir haben Erfolgsgeschichten aus über 40 Ländern gesammelt, die wir in einem Buch veröffentlichen und teilweise am 6. Mai 2026 in Basel am Global Innovation Summit sicht- und erlebbar machen werden. Damit wollen wir aufzeigen, wie vielfältig Innovation ist und welche Bedeutung sie für Wirtschaft und Gesellschaft weltweit hat. Auf diesen Erfolgen bauen wir auf und arbeiten daran, dass Eureka auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten kann.
Du hast den Global Innovation Summit erwähnt. Was ist das für ein Treffen?
Der Global Innovation Summit wird ein grosses Highlight unseres Vorsitzjahres sein. Diese internationale Konferenz mit rund 1000 Teilnehmenden wird regelmässig durch Eureka organisiert. Sie richtet sich an Unternehmen, Start-ups und Forschende, die gemeinsam innovative Lösungen entwickeln möchten.
Der diesjährige Fokus liegt auf Innovationen für die Biotech-Branche. Angesprochen sind dabei nicht nur klassische Biotechnologie-Akteure, sondern auch Partner aus Digitalisierung, KI, Automatisierung, Logistik und weiteren angrenzenden Technologiefeldern. Die Konferenz findet gleich nach dem Swiss Biotech Day statt.
Was erwartet die Gäste an diesem Tag? Wer sollte sich diese Veranstaltung auf keinen Fall entgehen lassen?
Die Planung ist in vollem Gange und die Gäste dürfen sich auf inspirierende Keynote-Präsentationen und interessante Paneldiskussionen freuen. Aber nicht nur das. Die Konferenz bietet die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, Innovationsprojekte mit internationalen Partnern aufzugleisen und sich vor Ort über grenzübergreifende Finanzierungsmöglichkeiten zwischen 47 Ländern zu informieren. Ein wichtiger Teil des Global Innovation Summits wird daher das 1:1-Matchmaking sein. Bisher haben sich Gäste aus über 30 Ländern angemeldet. Wir möchten Schweizer Vertreterinnen und Vertretern aus KMU, Start-ups, Grossunternehmen und Forschungseinrichtungen die Möglichkeit bieten, sich in Basel mit diesen Gästen zu vernetzen.
Abgesehen vom Global Innovation Summit: Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte im zweiten Halbjahr des Chair-Jahres?
Wir werden eine Eureka-Ausschreibung im Bereich Biotechnologie lancieren, um die Dynamik des Global Innovation Summit zu nutzen und neue innovative Projekte zu finanzieren. Bislang haben 15 Länder Interesse signalisiert und Fördermittel in Aussicht gestellt. Die Partnerschaft mit der Swiss Biotech Association ist sehr hilfreich, um die Zusammenarbeit mit diesen Ländern auch langfristig zu vertiefen und zu stärken. Ausserdem leisten wir einen Beitrag, um die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Partnerorganisationen wie dem Enterprise Europe Network (EEN) zu fördern und damit die Projektanbahnung zu unterstützen. Schlussendlich stellen wir die Weichen für die Zukunft: Gemeinsam mit dem Netzwerk und dem nachfolgenden Vorsitzland Belgien erarbeiten wir die Roadmap 2026-30 und diskutieren, wie das Förderportfolio und die Organisation weiterentwickelt werden sollen, damit Eureka für die Zukunft gut aufgestellt ist – entsprechend dem Motto des Schweizer Vorsitzes: «Innovating beyond borders – shaping the next decade together».
Zur Information: Die Eureka-Ausschreibung im Bereich Biotechnologie wird am 31.03.2026 lanciert.